Star­link - ein erster Eindruck von Andreas Schäfer

Das Satel­liten-Kommu­ni­ka­ti­ons­netz­werk Star­link des US-ameri­ka­ni­schen Raum­fahrt­un­ter­neh­mens „SpaceX“ stellt einen welt­weit lückenlos verfüg­baren Internet­zugang bereit. Im Mai dieses Jahres wurde die erste Phase des Projektes abge­schlossen. Die Star­link-Satel­liten operieren in einem sehr erdnahen Orbit - in circa 500 Kilo­meter Höhe. Somit ist ein Verbund von 1600 Satel­liten notwendig, um unun­ter­bro­chene Kommunikation zu ermöglichen.

Die Satel­liten kommu­ni­zieren in der momentan frühen Betriebs­phase noch nicht unter­ein­ander. Deshalb ist die Verfüg­bar­keit von Internet-Konnek­ti­vität stark von der Lage der Boden­sta­tionen abhängig.

Nach den ersten Setups in den USA wurden Ende 2020 in Groß­bri­tan­nien und Frank­reich die ersten Boden­sta­tionen Europas erschlossen. Über diese kann der äußerste Westen Deutsch­lands schon seit einigen Monaten mit dem Netz kommu­ni­zieren. Nun gingen in den vergan­genen zwei Monaten auch die ersten deutschen Boden­sta­tionen ans Netz. Aktuell ist nun eine bundes­weite Abde­ckung vorhanden.

NETHINKS nimmt an der Beta­phase teil

Star­link ist noch nicht frei verfügbar. Es befindet sich in einer öffent­li­chen Beta­phase, an der wir von NETHINKS aus Inter­esse an der Tech­no­logie teil­nehmen. Seit etwa zwei Wochen ist die Test­stel­lung bei uns vorhanden. Die ersten Eindrücke möchten wir an dieser Stelle gerne schil­dern. Der Inhalt des Star­link-Kits ist sehr über­schaubar: Er besteht aus der eigent­li­chen Boden­ein­heit, einer runden Antenne mit einem Durch­messer von 59 Zenti­me­tern, einem WLAN-Router, der für die Instal­la­tion in den Räumen vorge­sehen ist, sowie einem Power-over-Ethernet-Adapter. Er versorgt die Boden­ein­heit und den WLAN-Router mit Strom.

Die Kompo­nenten machen einen sehr hoch­wer­tigen Eindruck. Vieles besteht aus Alumi­nium-Guss-Mate­rial. Ledig­lich die Flächen, an denen eine Metall-Lösung die Funk­kom­mu­ni­ka­tion negativ beein­träch­tigen würde, bestehen aus Kunst­stoff. Ein wenig zum Schmun­zeln hat uns die Detail­ver­liebt­heit an der ein oder anderen Stelle gebracht. So erin­nert der WLAN- Router mit seinen Flächen und Kanten vom Design her ein wenig an den bizarren Cybert­ruck von Tesla. Das ist ein Stil­ele­ment, das sich sogar in den RJ45-Steckern der mitge­lie­ferten Ethernet-Kabel wieder­findet. Die Star­link-Kits kosten aktuell einmalig 499 Euro. Es ist jedoch durchaus möglich, dass die komplexe Anten­nen­technik final für einen deut­lich höheren Preis vermarktet wird. Experten schätzen die Herstel­lungs­kosten dieser Antenne auf etwa 2500 Euro.

Wir haben die Boden­sta­tion auf der NETHINKS-Dach­ter­asse über das mitge­lie­ferte Dreibein­stativ aufge­stellt. Nach der Versor­gung mit Strom richtet sich die Antenne selbst­ständig in Rich­tung des Himmels aus und versucht sich in das Netz­werk einzugliedern.

Um sauber zu funk­tio­nieren, benö­tigt Star­link aktuell einen Sicht­kegel von 100 Grad. Hier ist jedoch zu erwarten, dass sich dies durch eine höhere Anzahl an Satel­liten deut­lich verrin­gert. Der mini­male Winkel über dem Hori­zont beträgt 25 Grad.

Leider schattet unser Firmen­ge­bäude bei diesem Instal­la­ti­onsort die nörd­liche Hemi­sphäre nahezu komplett ab. Das führt etwa alle drei Minuten zu einem abrupten Signal­ver­lust. Die Montage der Antenne kann über ein optional erhält­li­ches Mast­mon­ta­gekit auch an geeig­ne­tere Aufbau­orte verlegt werden. So lange die Satel­li­ten­ver­bin­dung herge­stellt ist, ist alles sehr stabil. Die Round-Trip-Delays bewegen sich im Bereich von 25 bis 60 ms. Die Band­breiten schwanken zwischen 80 MBit/s und 200 MBit/s. Jedoch gibt es verein­zelt deut­lich spür­bare Ausreißer nach oben.

Ein Groß­teil der zentralen Hard­ware- und Soft­ware­kom­po­nenten befindet sich in der eigent­li­chen Boden­ein­heit, der WLAN-Router selbst ist für die Funk­tion nicht zwin­gend. Er kann auch durch einen eigenen Router oder eine Fire­wall ersetzt werden.

Gibt es Nachteile?

Größter Nach­teil für Firmen ist wohl die einge­schränkte Erreich­bar­keit via IPv4 oder IPv6, die in dem Produkt nicht gegeben ist. Wenn IP-Dienste wie ein Mail­server oder ähnli­ches erreichbar gemacht werden müssen, kann dies nur durch eine Overlay-Tunnel­tech­no­logie erfolgen. Hier helfen Produkte wie unser „NT/VPN“. Es kann beispiels­weise ein IP-Adress-trans­pa­rentes Backup zwischen einem „NT/Connect“-Anschluss und einer satel­li­ten­ba­sierten Verbin­dung reali­sieren. Auch eine Inte­gra­tion in bestehende NETHINKS-MPLS-Vernet­zungen ist möglich.

Star­link lässt sich weitest­ge­hend problemlos in eine VPN-basierte Vernet­zung inte­grieren. Leider sorgen die Unter­bre­chungen in unserem Setup dafür, dass durch die konti­nu­ier­li­chen Abbrüche das VPN aus dem Tritt kommt und sich nicht immer voll­ständig selbst­ständig neu aufbaut. Vermut­lich liegt dies an der „Carrier-Grade-NAT“-Infrastruktur von Star­link, an der die Sessions bei einem Abbruch nicht sauber beendet werden. IPv6 befindet sich aktuell noch in einer Test­phase und ist nur beim Einsatz eines eigenen Routers verfügbar. Erste Tests zeigen jedoch, dass auch auf die IPv6-Adressen nicht von außen zuge­griffen werden kann.

 

Fazit

Star­link bietet für Unter­nehmen eine inter­es­sante Möglich­keit, um eine Inter­net­kon­nek­ti­vität unab­hängig von terres­tri­scher Infra­struktur zu reali­sieren. Wenn der Aufbauort entspre­chend geeignet gewählt ist, besteht im aktu­ellen Ausbau­status auch eine durchaus passable Verbin­dungs­qua­lität und Perfor­mance, die es mit einem VDSL50- oder VDSL100-Anschluss vergleichbar macht. Bei einer stei­genden Anzahl von Satel­liten und Boden­sta­tionen gehen wir jedoch davon aus, dass sich die Qualität hier in der Wirk­be­triebs­phase noch deut­lich verbes­sern wird. Star­link wird nach dem aktu­ellen Stand ausschließlich von “SpaceX” direkt an Endkunden vermarktet.

Sie haben noch Fragen und wollen mehr über dieses Thema erfahren? Beim Aufbau einer Internet-Zugangs­lö­sung mit Star­link unter­stützen wir Sie gerne!

 

© Bild­nach­weis: unsplash by NASA

1 Gedanke zu „Star­link - ein erster Eindruck von Andreas Schäfer“

  1. Hallo Herr Schäfer,

    wir können die Antenne “ganz oben ” montieren, umzu sehen
    ob sie ohne Unter­brech­nung läuft.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Cookie Einstellungen
Diese Website verwendet Cookies, um die bestmögliche Funktionalität zu gewährleisten. Mehr lesen

Akzeptiere alle Cookies Speichern