ISDN wird abgeschafft – Der Versorgungsauftrag

In unserem Artikel „ISDN wird abgeschafft – Telekom stellt auf NGN um“ (hier nachzulesen) haben wir uns mit der Umstellung aufs „Next Generation Network“ – kurz „NGN“ – beschäftigt und sind der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen der Wechsel auf die Telefonie- und Internet-Infrastruktur von Unternehmen hat. Viele unserer Leser haben uns nach der Lektüre dieses Artikels gefragt, wie Unternehmen, die aufgrund ihrer geographischen Lokalisation keinen Zugang zu einem Breitbandnetz haben, das NGN zukünftig zu vertretbaren Kosten nutzen sollen – immerhin hat die Telekom immer noch den staatlichen Versorgungsauftrag für Telefonie. Das Bonner Telekommunikations-Unternehmen fordert mittlerweile eine Unterstützung seitens der Steuerzahler, um die Kosten für den endgültig flächendeckenden Ausbau von DSL nicht alleine tragen zu müssen (nachzulesen unter anderem bei W&V). Ein Kommentar von NETHINKS-Geschäftsführer Uwe Bergmann.

Telekom fordert 25 Milliarden Euro

Dass der Ausbau des Breitbandangebotes in Deutschland Geld kostet, ist klar. Dabei stellen sich allerdings wichtige Fragen: Wer gibt das Geld aus – und wer erhält letztlich die Infrastruktur? Telekom-Vorstandsmitglied Niek Jan van Damme hat seine Forderung klar formuliert: Die Telekom kann den flächendeckenden Ausbau ihres DSL-Angebotes nur mit Geld vom Bund erreichen. Gleichzeitig ruft der Telekommunikations-Riese aber das NGN aus und kündigt ISDN und andere Lösungen ab. Parallel dazu veröffentlicht die Bundesregierung eine „Digitale Agenda“ (nachzulesen bei netzpolitik.org) Wie passt das zusammen?
Mit der Zusammenlegung einzelner Netze zu einer gemeinsamen Netzplattform schafft sich die Telekom die Grundlage, nur noch eine einzige Technologie im Unternehmen managen zu müssen. Das ist zweifelsfrei ein Vorteil für die Telekom – und es ist zu erwarten, dass dieser Vorteil in Form von Kostenreduktionen zum Teil an Kunden weitergegeben wird. Allerdings: Um die Zusammenlegung umsetzen zu können, sind Voraussetzungen in Form von flächendeckenden Breitbandanschlüssen bis ins „kleinste Dorf“ notwendig. Genau an dieser Stelle fällt auf, dass der Plan der Telekom einen Haken hat: Auf der einen Seite rechnet die Telekom sicher mit Einsparpotenzialen im Verwaltungs- und Administrationsbereich, die – den Breitbandausbau eingerechnet – schwarze Zahlen erzeugen sollten, auf der anderen Seite fordert die Telekom vom Steuerzahler weitere Milliarden für eben diesen Ausbau. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Umstrukturierung und der DSL-Ausbau zweimal bezahlt werden sollen.

Die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung

Wie steht es nun um den Versorgungsauftrag für Telefonie und Kommunikation? Aktuell ist es immer noch so, dass es nur einen allgemeinen, gesetzlichen Versorgungsauftrag für einen einfachen Telefonanschluss gibt, den die Telekom in Deutschland zu erfüllen hat. Das bedeutet: Jeder Bürger kann in Deutschland einen Telefonanschluss beauftragen und muss diesen von der Telekom – zu geregelten Preisen – zur Verfügung gestellt bekommen. Dies gilt aber nicht für DSL oder andere Breitbandanschlüsse. Schaltet die Telekom das „klassische“ Telefonnetz allerdings nun ab, müsste sie ja eigentlich adäquaten Ersatz schaffen; dieser bestünde in einem Breitbandanschluss, über den das NGN genutzt werden kann. Eine Alternative dazu wäre, von Seiten der Bundesrepublik einen Versorgungsauftrag mit Breitbandanschlüssen zu erteilen. Empfänger des Auftrages könnten entweder die Telekom, mehrere lokale Anbieter oder sogar Gemeinden sein. In ihrer „Digitalen Agenda“ ist leider etwas ungenau formuliert, wie der Breitbandausbau nach Auffassung der Bundesrepublik ablaufen soll passieren soll.

Die aktuelle Lage der Unternehmen

Viele Gebiete werden aktuell mit VDSL ausgebaut. Unternehmen, die in diesen Gebieten Standorte unterhalten, können bereits jetzt ISDN ablösen und einen breitbandigen VDSL-Anschluss zu moderaten Monatskosten nutzen. Unternehmen, die in Gebieten ansässig sind, in denen VDSL in absehbarer Zeit nicht ausgebaut wird, müssen auf höherwertige Anschlüsse zurückgreifen. Hier bieten sich beispielsweise Ethernet-Anschlüsse ab 2 Mbit/s an. Diese Anschlüsse haben zwar eine sehr hohe Qualität, kosten gleichzeitig aber auch ein Vielfaches eines xDSL-Anschlusses. Unternehmen in „unterversorgten“ Gebieten können also nur abwarten – oder vergleichsweise viel Geld ausgeben. Unternehmen in Gebieten mit VDSL-Ausbau können dagegen schon jetzt an das Thema NGN-Nutzung herantreten.

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